Der Lebensraum
Die Ebene ist eine für Venetien sehr charakterisierende Landschaftsform, sowohl aufgrund der geografischen Ausdehnung, sie stellt mehr als die Hälfte der gesamten Region dar, als auch aufgrund der Morphologie der Ansiedelungen.
Die Urbanisierung und Industrialisierung haben sich auf diffuse und polyzentrische Weise entwickelt und haben der Landschaft einen Aspekt verliehen, der oft im Konflikt mit Naturschutz und Sanierungsprojekten steht. Man darf auch nicht vergessen, dass natürliche und anthropogene Einflüsse in Venetien nicht homogen sind, sie zeigen aber Charakteristiken auf, die eine Unterteilung in verschiedene Bereich erlauben; im Besondern spricht man von Hoch-, Mittel- und Tiefebene in Bezug auf das Substrat, hydrogeologische Verhältnisse und landschaftliche Nutzung.
In früheren Zeiten bestand ein ausgedehntes Ökosystem mit Waldbestand, das heute auf einige Eichenwälder reduziert ist, die in wissenschaftlicher und didaktischer Hinsicht sehr wertvoll sind und einige Elemente aus Flora und Fauna enthalten, die anderswo verschwunden sind.
Diese Eichen-Hainbuchen-Wälder sind fast zur Gänze verschwunden: die einzigen bedeutsamen Exemplare findet man in den Provinzen Venedig und Treviso. Auch die Sumpflandschaften, die früher dieses Gebiet kennzeichneten, sind fast verschwunden. Die zum Großteil in ihrem Vegetationsaspekt künstlich veränderten Wasserläufe haben nur vereinzelt eine interessante Flora beibehalten, vor allem in der Quellzone, in der viele Flüsse der Ebene Venetiens entspringen.
Die Exemplare der Vogelwelt sind gut bekannt: Mäusebussard, Turmfalke, Sperber, Kornweihe, Zwergohreule, Waldkauz, Schleiereule, Steinkauz, Ziegenmelker, Hohltaube, Ringeltaube, Grünspecht, Wendehals, Wiedehopf, Rotkehlchen, Berglaubsänger, Zaunkönig, Wintergoldhähnchen, Sommergoldhähnchen, Gartenrotschwanz, Erlenzeisig, Stieglitz, Grünling, Girlitz, Buchfink , Bergfink, Meisen, Italiensperling, Feldsperling, Mönchsgrasmücke, Samtkopf-Grasmücke, Nachtigall, Grauschnäpper, Trauerschnäpper, Orpheusspötter, Feldlerche, Wiesenpieper, Heidelerche, Grauammer, Europäische Schwarzkehlchen, Braunkehlchen, Cistensänger, Ortolan, Brachpieper. Unter den Säugetieren sind die Gartenspitzmaus, die Mauswiesel, die Haselmaus und die Fledertiere zu erwähnen. Amphibien und Reptilien sind mit dem Laubfrosch, dem Springfrosch, den Teichfrösche, der Erdkröte, der Wechselkröte, dem Italienischer Kammmolch, der Gelbgrüne Zornnatter, der Ringelnatter, der Würfelnatter, der Schlingnatter, der Waldeidechse, der Blindschleiche, der Smaragdeidechse, und der Europäische Sumpfschildkröte vertreten. Die Fische wurde schon bei den großen Flüssen erwähnt: Finte, Barbe, Schmerlen, Grundel, Flussneunauge, Dreistachliger Stichling.
Was die Wirbellosen betrifft, kann man außer dem Großen Eichenbock und dem Hirschkäfer den Russischen Bären nennen.
Die Flora ist typisch für die Wasserläufe, zu den wichtigsten Pflanzen gehören der Kalmus, der Echte Seidelbast, die Wasserprimel, die Glockenblume, der Türkenbund, das Sumpf-Herzblatt, die Weiße Seerose, die Europäische Seekanne, Natternzungen Milchsterne, die Vierblättrige Einbeere, Waldhyazinthen, Hahnenfuß, das Pfeilkraut, der Verkannte Wasserschlauch, der Schwarze Germer, die Gemeine Weißwurz, der Hahnenfuß, das Hohe Kreuzkraut, der Aronstab, die Sumpfdotterblume, der Gewöhnliche Froschlöffel, die Schwanenblume, die Sumpfwolfsmilch, der Fieberklee, die Sumpf-Siegwurz, die Sumpf-Kratzdistel, das Sumpf-Pfaffenröhrlein, und die Sumpf-Stendelwurz
Richtlinie zur Entwicklung des Schutzgebietsnetzes
Es ist allgemein bekannt, dass die Biodiversität im Flachland geringer ist als im Gebirge. Das bestätigen auch die Daten. Genauer gesagt gibt es weniger Zonen mit noch natürlicher Vegetation gegenüber der Hügellandschaft und noch weniger gegenüber dem Gebirge, das bedeutet jedoch nicht, dass die Ebene als uniform und homogen zu betrachten ist. Die Veränderungen des Landschaftsbildes durch den Menschen machen das Flachland scheinbar homogen: die Ansiedelungen und das Infrastrukturen-Netz, aber auch die Auswirkungen der Wasserentnahme, der Veränderungen der Flussverläufe, Trockenlegungen und Kanalisierungen, Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung.
Um diese sicher empfindliche und entscheidende Zone zu schützen, muss ein Korridor in Ost-West-Richtung bestimmt werden, der die meisten Flüsse überquert.
Die klassische Unterteilung in Hoch- und Tiefebene, die durch die sensible Zone der Grundwasserquellen getrennt sind, ist eine Klassifizierung, die heute nicht mehr ausreicht, um die bedeutenden Unterschiede zu erklären, die die verschiedenen Gebiete auszeichnen und die immer unterschätzt wurden. In dieser ausgedehnten Ebene gibt es einige Zonen, die sich durch bestimmte Eigenschaften auszeichnen. Es handelt sich dabei um die Täler der Provinz Verona, die wasserreichen Dauerwiesen am rechten Brenta-Ufer, die berühmten Prai di Godego, die Flachlandwälder.
In der Ebene Venetiens haben nicht viele Flachlandwälder überlebt: die heute noch existierenden haben eine Ausdehnung von weniger als 30 Hektar, was zu einer bruchstückhaften Situation bis hin zu Überlebensproblemen führt. Die wichtigsten Eichen-Hainbuchenwälder sind sechs: der Wald von Gaiarine, der Wald Olmè in Cessalto, der Wald Cavalier in Gorgo al Monticano, der Wald Basalghelle in Mansuè, der Wald Lison in Portogruaro und der Wald Zacchi zwischen Pramaggiore und Cinto Caomaggiore. Zu dieser Gruppe gehört auch der Wald von Carpenedo in Mestre, er wird oft zu den Flachlandwäldern gezählt, auch wenn hier die Eichen-Mischwälder stark verändert sind. Alle diese Wälder wurden während des 2. Weltkrieges stark abgeholzt und gemeinsam mit späteren forstwirtschaftlichen Maßnahmen hat das zu einer Unbeständigkeit geführt, die ihren Ausdruck in den vorkommenden Baumarten und in der Struktur der Pflanzengesellschaften finden.
Das Kyoto-Protokoll und die Reduzierung der Treibhausgasemissionen machen es notwendig, Zonen auszuwählen, die einer generellen Aufforstung unterzogen werden können.
Dazu braucht es eine komplette Bestandsaufnahme der Wälder, Feucht- und Moorzonen, ehemaligen Steinbrüchen, Wassergräben und Absenkungen, in denen hygrophile Vegetation wächst.
Diese Feuchtzonen können speziell in der von menschlichen Einflüssen geprägten und industrialisierten Ebene Venetiens eine Schlüsselrolle in einem Programm zur Wiederherstellung der Biodiversität spielen, auf sie stützt sich das Konzept des Schutzgebietes selbst.
Zielt man auf eine Diversifikation der landwirtschaftlich genutzten Zonen und auf eine Wiederherstellung der Funktionalität des Ökosystems, so ist das Errichten von Hecken, Baumreihen und Alleen eine der wichtigsten Maßnahmen.
In Zonen, wo die sozioökonomischen Bedingungen für die Errichtung eines Waldes nicht günstig sind, hat diese Lösung für gewisse Spezies positive Auswirkungen.